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#1

Buchvorstellung Tatiana und Alexander

in Bücherregal 17.09.2020 11:58
von Ida Sonnenschein • Federlibelle | 91 Beiträge | 506 Punkte

Heute möchte ich euch die Fortsetzung der Buches "Die Liebenden von Leningrad" vorstellen.
Dabei lässt es sich leider nicht vermeiden, dass ich wenigstens teilweise das Ende des ersten Bandes verrate.


Als ich das Ende des ersten Buches gelesen hatte, bin ich bald verzweifelt. Eine Fortsetzung war damals nicht in Sicht und ich dachte immer wieder, nach all dem, was die Beiden durch gemacht haben, kann es, darf es nicht so enden. Ich weiß nicht, wie oft ich das Ende gelesen habe, in der Hoffnung etwas zu finden, dass Hoffnung gibt.
Erst als eine Fortsetzung angekündigt wurde, konnte ich erleichtert aufatmen. Deshalb habe ich mir sofort nach dem Erscheinen den zweiten Band gekauft und als allererstes das Ende gelesen.



„Tatiana und Alexander“


Tatiana ist die Flucht aus der Sowjetunion gelungen und in den USA bringt sie Alexanders Sohn auf die Welt. Aber sie kann die Liebe ihres Lebens nicht vergessen. Auch wenn ihr glaubhaft versichert wurde, dass Alexander bei einem Bombenangriff gestorben ist, kann, will sie sich ein Leben ohne ihn nicht vorstellen und so ist es für sie schwer in Amerika Fuß zu fassen.

Als Krankenschwester versorgt sie verletzte Soldaten und jeden fragt sie nach einem russischen Soldaten mit dem Namen Alexander Below. Doch niemand hat je von ihn gehört.


Alexander ist nicht bei einem Bombenangriff ums Leben gekommen und auch der sowjetische Geheimdienst hat ihn nicht ermordet, so wie sie es geplant hatten.
Stattdessen wird er, der erst vor kurzem befördert und ausgezeichnet wurde, degradiert und in einen Strafbataillon versetzt. Das sind Soldaten, die dorthin geschickt wurden, wo mit besonders vielen Verlusten zu rechnen war, die all die hoffnungslosen Attacken durchführen mussten, die zum Rückzug der Deutschen führen sollten. Doch das ist Alexander egal. Er hat nur ein Ziel, er muss überleben. Er muss um jeden Preis überleben und es bis zu den Amerikanern schaffen, damit er seiner Geliebten nach Amerika folgen kann. Und so macht er sich mit seinen Männern auf, um zu Fuß von Leningrad bis nach Berlin zu ziehen.


Vor sich hat er die deutschen Soldaten, die mit letzter Kraft vesuchen, den Vormarsch der roten Armee zu stoppen. Hinter der Front steht der sowjetische Geheimdienst, der jeden Soldaten, der vor den Deutschen zurückweicht, hinrichten.


Durch einem Zufall erfährt Tatiana, das ihr Mann nach leben könnte und ungeachtet, das ihr kleines Kind sie braucht und das ihr als Landesverräterin die Todesstrafe oder 25 Jahre Gulag drohen, sollte sie den Roten Armee in die Hände fallen, macht sich Tatiana mit Hilfe des roten Kreuzes in die sowjetisch besetzte Zone auf, um den sowjetischen Schergen ihren Mann zu entreißen.




Was mich in diesen Band neben der Liebesgeschichte so gefesselt hat, sind die geschichtlichen Hindergründe.
Ich bin in der DDR aufgewachsen, die UdSSR war unser großer Bruder, unfehlbar, alles was dort geschah, war richtig. Kritik, irgendetwas hinterfragen, war nicht erwünscht und wurde im Keim erstickt. Viele, viele Dinge, die passiert sind, habe wir nicht erfahren. Ich lebe in einer ländlichen Gegend, anders als in großen Städten wie Berlin oder Leipzig, war hier das Leben beschaulich und ich habe sehr wenig erfahren, was nicht über die offiziellen Medien des Arbeiter und Bauernstaates kam. Manches erfuhr ich in der "Jungen Gemeinde" aber auch die Pastoren mussten aufpassen, was sie uns erzählten. Das hat sich erst geändert, als ich zum Studium ging aber da war der Untergang des Sozialismuses schon besiegelt.
Mein Heimatort liegt in der Nähe von Weimar. Das KZ Buchenwald hab ich als Jugendliche mehrmals besuchen müssen und uns wurden die Greultaten der Nazis sehr anschaulich vorgeführt. Was man uns verschwiegen hat, waren die Greultaten, die nach dem Krieg dort passiert sind.

Was mir beim Lesen dieses Buches klar geworden ist, ist: das für die "Diktatur des Proletariats" ein Menschenleben nichts war. Gewissenlos hat Stalin seine Soldaten geopfert, um die Nazis zu schlagen. Was als großes Ganzes vielleicht richtig war, war für den Einzelnen tötlich. Soldaten, die ohne Gewehre in die Schlacht geschickt wurden, sind nur ein Beispiel. (Ich persönlich halte es nicht für richtig, ein Staat hat die Pflicht seine Bewohner zu schützen und darf sie nicht skupellos in den Tod schicken.)
Außerdem war dieses System, in dem ich auch eine Zeit lang gelebt habe, so sehr auf das Misstrauen seiner Bevölkerung gegenüber aufgebaut, das das eigentlich schon krankhaft war. Jeder hat jeden bespitzelt und wer kritischen Fragen gestellt hat, verschwand auf nimmerwiedersehen.
Ich frage mich, was unsere Regierung gedacht hat, wie sie ein solches System, der Lüge, der Bespitzlung und der Angst aufrecht erhalten wollte?

Und wenn ich mir unsere jetzige Situation anschaue, höre, was so manche "Politiker" von sich geben, was so macher Demonstrant schreit, dann frage ich mich, waren all die Toten für umsonst? Habe wir gar nichts gelernt? Hat von denen niemand im Geschichtunterricht aufgepasst?

Meine Meinung ist, dass ein Buch wie "Tatiana und Alexander" zur Pflichtlektüre eines jeden gehören sollte, damit wir nicht vergessen, was geschehen ist und damit wir nicht aus den Augen verlieren, was eine Diktatur ist und was eine Demokratie ausmacht.

Bitte entschuldigt, dass das jetzt so politisch geworden ist, aber diese Zeit, unser Zeit, macht mit Angst. Angst, was für eine Welt wir unseren Kindern und Enkeln hinterlassen. Angst, dass vielleich meine Enkel oder Kinder, ähnliches durchmachen müssen, wie Tatiana und Alexander.


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#2

RE: Buchvorstellung Tatiana und Alexander

in Bücherregal 17.09.2020 16:08
von Bree • Federlibelle | 492 Beiträge | 2052 Punkte

Liebe @Ida Sonnenschein

man spürt in jeder Zeile, wie sehr dieses Buch bzw. beide Bücher dir am Herzen liegen. Kein Wunder, offenbaren sie dir doch Dinge, die während deiner Jugend in der DDR überhaupt kein Thema waren. Sowas ist natürlich interessant und bewegend.

Ich finde es toll, was für super Bücher-Tipps wir zusammensammeln. Auch die über Tatiana und Alexander bereichern die Sammlung ungemein. Danke für deine Mühe!

LG
Bree


Der Kriminalschriftsteller ist eine Spinne, die die Fliege bereits hat, bevor sie das Netz um sie herum webt.
(Sir Arthur Conan Doyle)

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RE: Buchvorstellung Tatiana und Alexander

in Bücherregal 17.09.2020 18:38
von Carlotta Lila • Federlibelle | 319 Beiträge | 1391 Punkte

Liebe @Ida Sonnenschein, du hast mich so weit und ich werde diese Bände bestellen, ich will auch mitfiebern und gefesselt werden. Ausserdem interessiert mich der politische Hintergrund sehr. danke für deine Buchvorstellung ich feedbacke, wenn ich es gelesen hab`Liebe Grüße
Carlotta Lila


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#4

RE: Buchvorstellung Tatiana und Alexander

in Bücherregal 18.09.2020 22:25
von writeandride • Forums-Schmetterling | 96 Beiträge | 390 Punkte

@Ida Sonnenschein, vielen Dank für die Fortsetzung deiner Buchvorstellung, hier zum Teil 2. Du hast sie so fesselnd und leidenschaftlich geschrieben, es muss wirklich ein ganz besonders Buch sein. Dieses dunkle Kapitel der Vergangenheit und das Schicksal der beiden Liebenden. So aufwühlend. Ich weiß nicht, ob ich die Kraft finde, es zu lesen...
Du hast so recht, wenn du schreibst, dass dir die gegenwärtige Zeit Angst macht. Mir auch.


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zuletzt bearbeitet 18.09.2020 22:29 | nach oben springen


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