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Buchvorstellung: Madame le Commissaire und der tote Liebhaber

in Bücherregal 06.09.2020 19:38
von Doro • Federlibelle | 291 Beiträge | 1293 Punkte

Buchvorstellung „Madame le Commissaire“ von Pierre Martin

Ich habe mir lange überlegt, ob ich so etwas „Triviales“ wie einen Krimi einstellen soll. Aber gerade wenn der Alltag stressig ist, habe ich keinen Nerv anspruchsvolle Bücher zu lesen. Der einzige Anspruch ist für mich in dem Fall gute Unterhaltung.

Wie ich auf die Reihe gekommen bin:
Mein Vater hatte sich zum Geburtstag einen Krimi gewünscht. Mit speziellen Vorgaben: spannend, aber nicht blutrünstig, keine Liebesgeschichte, nicht zu viele Personen …
Der Buchhändler hat mir daraufhin die Reihe „Madame le Commissaire“ empfohlen. Ich habe mich für „Madame le Commissaire und der tote Liebhaber“ entschieden. Inzwischen lese ich den dritten Band. Man muss die Bücher übrigens nicht in der richtigen Reihenfolge lesen.



Link:
https://www.amazon.de/Madame-Commissaire-tote-Liebhaber-Provence-Krimi/dp/3426521989/ref=sr_1_1?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&dchild=1&keywords=madame+le+commissaire+der+tote+liebhaber&qid=1599406686&sr=8-1

Zum Autor (hab ich gegoogelt):
Pierre Martin ist ein Pseudonym. Den wirklichen Namen des deutschen Autors/Autorin verrät der Verlag Droemer Knaur –der bisher alle Romane veröffentlicht hat- nicht.

Klappentext von „Madame le Commaissaire und der tote Liebhaber“:
Ein neuer Fall für die provenzalische Kommissarin Isabelle Bonnet und ihren Assistenten Apollinaire vom Bestseller-Autor Pierre Martin.
Band 6 der erfolgreichen Krimi-Reihe, die den Leser in das malerische Provence-Dorf Fragolin führt

Untermalt vom Summen der Zikaden und Lavendelduft gleiten die Tage in Fragolin in der Provence friedlich vorüber. Bis das Undenkbare geschieht und das Städtchen jäh aus dem sanften Sommerschlummer reißt: Eines Morgens findet man den Bürgermeister Thierry – tot, mit durchschnittener Kehle. Zwar waren er und Kommissarin Isabelle Bonnet schon länger kein Paar mehr, dennoch trifft sein Tod Isabelle zutiefst. Dabei werden gerade jetzt die Fähigkeiten von Madame le Commissaire gebraucht, denn am Tatort gibt es keine brauchbaren Spuren. Und wer sollte schon einen Grund gehabt haben, den beliebten Bürgermeister zu ermorden? Ihre Nachforschungen führen Isabelle zum Tatort nach Sanary-sur-Mer, jenem Küstenort, in dem in den Dreißiger und Vierziger Jahren viele deutsche Künstler und Intellektuelle Zuflucht gefunden haben.

Hauptfiguren sind
Isabelle Bonnet
Ehemalige Leiterin einer Antiterroreinheit in Paris. Nach einem Attentat, bei dem sie schwer verletzt wurde, hat sie sich ins provenzalischen Fragolin, ihrem Heimatdorf, versetzen lassen. Dort leitet sie ein Kommissariat für besondere Aufgaben. Sie liebt das südfranzösische Lebensgefühl, hat immer eine Badetasche in ihrem Polizeiwagen und trinkt gerne Rosé. Die sportliche Frau täuscht so manchen mit einem netten Lächeln, lässt sich aber nicht einschüchtern.

Apollinaire
Eigentlich Jacobert Apollinaire Eustache. Er ist als Sous-Brigadier der Police nationale Isabelles Assistent. Er ist so verpeilt, dass er einem sofort ans Herz wächst. Sein „Markenzeichen“ sind verschiedenfarbige Socken. Er leibt es, mit Blaulicht im Polizeiwagen zu fahren und überrascht Isabelle immer wieder durch sein Wissen auf unterschiedlichsten Gebieten. Sie kann seinen Schlussfolgerungen nicht immer folgen, vor allem, weil er Schwierigkeiten hat, kurz und knapp zu sagen, was Sache ist. Er bewundert Isabelle und gemeinsam sind sie ein unschlagbares Team.


Zum Buch:
Wer sich einen knallharten Krimi erwartet, der wird hier enttäuscht werden. Die Bücher sind wie die Provence – eher gemächlich, beschaulich, aber keinesfalls langweilig. Auch, wenn ich anfangs manchmal das Ganze am liebsten beschleunigt hätte, zog mich die Geschichte in ihren Bann. Gespannt las ich Seite um Seite, Kapitel um Kapitel, immer schneller, um endlich die Auflösung zu erfahren.



Textauszug:
… In einer gläsernen Presstempelkanne brühte sie einen Kaffee auf. Der Duft weckte ihre Lebensgeister. Dazu ein Glas frisch ausgepresster Orangensaft. Und ein aufgebackenes Croissant. Das Ganze auf einem Tablett hinauf auf ihre kleine Dachterrasse balanciert. Am blauen Himmel segelten kleine Wolken wie Wattebäusche in Richtung Meer. Irgendwo zwitscherte ein Vogel. Eine Postkartenidylle. Oder eine Illusion? Aber das, dachte Isabelle, war keine Widerspruch, denn jede scheinbare Idylle war eine beschauliche Verklärung, bei der störende Elemente einfach ausgeblendet wurden. Wie zum B eispiel der Karren, de gerade unten durch die Gasse geschoben wurde. Es lag an ihr, das rumpelnd Geräusch zu überhören. Oder der angetrocknete Vogelschiss auf ihrem Frühstückstisch. Oder die Farbe, die von ihrem schmiedeeisernen Geländer blätterte. War das eine Beeinträchtigung? Nein, es gehörte dazu. Und so war es schön. All das hatte sie während der Reha in Saint-Remy vermisst. Das Croissant, das nicht frisch aus der Boulangerie kam und trotzdem lecker schmeckte. Der Kaffee, der heute zu stark war. Das Glas mit dem Orangensaft, das schon leer wr. Vivre le moment présent! Den Augenblick genießen – und zwar so, wie er war. Das hatte sie von Thierry gelernt. Wie er ihr überhaupt die provenzalische Lebensart und die Leichtigkeit des Seins nähergebracht hatte dafür schuldet sie ihm Dank. Er hatte einer gehetzten und traumatisierten Karrierepolizistin aus Paris gezeigt, was unter l’art de vivre zu verstehen war. Und dass es sich lohnte, diese Kunst des Lebens zu erlernen. Was nicht bedeutet, dass man keine ehrgeizigen Ziele verfolgte und im Beruf erfolglos war. Thierry demonstrierte, dass beides zur selben Zeit möglich war. Er ein viel beschäftigter Anwalt und ein respektierter Bürgermeister. (S. 31/32)



Textauszug:
Im Büro angekommen, traf sie Apollinaire geordnet und gesittet am Schreibtisch an. Nun ja, relativ für seine Verhältnisse. Die gelockerte Krawatte hatte er nach hinten über die rechte Schulter geworfen. Hinter jedem Ohr steckte in Bleistift. Einen dritten hatte er quer im Mund. Und er hatte einen roten Kopf. Das immerhin war ungewöhnlich, denn normalerweise war Apollinaire blass wie Dracula. Außer er machte grade einen Kopfstand, was heute nicht der Fall war.
„Bonjour, Apollinaire. Geht es Ihnen nicht gut?“
Er nahm den Bleistift aus dem Mund, stellte fest, dass beide Ohren schon besetzt waren, steckte ihn in die Brusttasche und begrüßte sie.
„Salut, Madame, danke der Nachfrage, ich bin beschwerdefrei.“
„Sie sehen aber nicht so aus.“
„Doch, doch, körperlich bin ich völlig intakt. Nervlich dagegen etwas angegriffen, das muss ich zugeben.“ Apollinaire verdrehte die Augen. „Ich habe vor Kurzem eine verstörende Nachricht erhalten, die auf nüchternen Magen schwer zu verkraften ist.“
„Sie haben noch nicht gefrühstückt?“
„Zu wenig, Madame, viel zu wenig. Aber ich konnte ja nicht ahnen …“
„Was konnten Sie nicht ahnen?“ (S. 158)


Fazit:
Mir gefällt, dass die Figuren Ecken und Kanten, Schwächen und Stärken haben. Wie im richtigen Leben sind einem die einen mehr und die anderen weniger sympathisch. Ich mag Isabelle, wobei ich zugeben muss, dass mir Apollinaire inzwischen fast besser gefällt.


Die Rezensionen auf Amazon sind sehr unterschiedlich. Das liegt eventuell an der unterschiedlichen Erwartung der Leser an die Provence-Krimis von Pierre Martin.


Wie gesagt, es ist kein blutiger Thriller, sondern eine Kriminalgeschichte, die von den Eigenheiten der Figuren und der einmaligen Landschaft lebt.
Ich war vor vielen Jahren in der Provence und in Erinnerung geblieben ist mir die fast kitschige Postkartenidylle. Klischee? Ja, klar. Aber oft ist die Realität viel klischeebehafteter als es ein Autor jemals beschreiben würde.

Wer diese Art des Geschichtenerzählens mag, dem werden die Krimis sicherlich gefallen.











Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden. (Mark Twain)
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zuletzt bearbeitet 06.09.2020 19:49 | nach oben springen

#2

RE: Buchvorstellung: Madame le Commissaire und der tote Liebhaber

in Bücherregal 06.09.2020 20:45
von Carlotta Lila • Federlibelle | 319 Beiträge | 1391 Punkte

Liebe @Doro, ich glaube, es gibt ja auch innerhalb des Genres Krimi, eigene Gruppen. Die von dir erwähnte Reihe kenne ich übrigens auch, ist vielleicht ähnlich wie diese italienische Krimiserie von Donna Leon. Nicht zu blutrünstig, aber durchaus kniffelig, landestypische Details und auch kulinarische Genüsse, stehen genauso im Vordergrund, wie das kriminelle Geschehen. Das Tempo ist ein bisschen low.
Ich finde das super, dass du hier einen Krimi eingestellt hast. Ich finde, wir sollten tatsächlich Bücher aus ALLEN Genres einstellen können und uns keine Sorgen machen müssen, dass etwas zu trivial ist! Übrigens glaube ich bei dieser Krimireihe, wie auch bei der erwähnten Donna Leon, dass diese Krimis nur scheinbar trivial sind. Da stecken doch ganz schön viel Recherche, Ortskenntnis und Ideen dahinter.
Und: Viele von uns schreiben ja auch mit viel Engagement und Spass Krimis. Da kann man sich sicher auch wieder so einige Anregungen holen!
Danke für diesen Buchtipp!
Liebe Grüße
Carlotta Lila


You see ya can`t please everyone
So ya got to please yourself (Ricky Nelson)
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#3

RE: Buchvorstellung: Madame le Commissaire und der tote Liebhaber

in Bücherregal 06.09.2020 22:28
von blauer Granit • Grashüpfer | 27 Beiträge | 77 Punkte

Liebe Doro! Ich finde das ist eine gute Buchvorstellung.
Du hast die Handlung übersichtlich zusammengefasst und die Stärken und Schwächen des Buches zusammengefasst.


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