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Buchvorstellung Eva Ibbotson; "Maia oder als Miss Minton ihr Korsett in den Amazonas warf"

in Bücherregal 27.07.2020 02:05
von Doro • Federlibelle | 291 Beiträge | 1293 Punkte

Buchvorstellung von „Maia oder Als Miss Minton ihr Korsett in den Amazonas warf“

Wie viele andere haben wir den Lockdown genutzt, um aufzuräumen. Auch die Bücherregale. Dabei ist mir das Buch, das ich heute vorstellen möchte, in die Hände gefallen. Es ist eigentlich ein Jugendbuch (aus der dtv junior-Reihe), nichtsdestotrotz auch für Erwachsene schön zu lesen.





Link zum großen A:

https://www.amazon.de/Maia-oder-Minton-Korsett-Amazonas/dp/3423709979/ref=sr_1_1?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&crid=2XB74631XHJTC&dchild=1&keywords=maia+oder+als+miss+minton+ihr+korsett+in+den+amazonas+warf&qid=1595749949&sprefix=maia+oder%2Caps%2C168&sr=8-1


Zur Autorin (mein Wissen hab ich von Wikipedia):
Eva Ibbotson, eigentlich Maria Charlotte Michelle Wiesner, ist eine britische Schriftstellerin, die 1925 in Wien geboren und 85jährig in Newcastle upon Tyne/England gestorben ist.
Als sie drei Jahre alt war, haben sich ihre Eltern getrennt und sie kam in Wien in ein Waisenhaus. Nachdem der Vater (er war Jude) nach Schottland emigrierte, kam sie ebenfalls nach Schottland, wo sie das College besuchte und später studierte, u.a. Erziehungswissenschaften. Sie arbeitete danach als Lehrerin, heiratete einen Kollegen und hatte mit ihm vier Kinder.
Ihr schriftstellerisches Talent hat sie bestimmt von ihrer Mutter Anna Gmeyner, einer deutsch-britischen Autorin, geerbt.
Als ihre Kinder klein waren, schrieb Maria Kurzgeschichten für eine Zeitung. Als ihr jüngstes Kind in die Schule kam, begann sie Kinderbücher zu schreiben.
Interessant ist hier, dass sie ihrem Buch „Das Geheimnis von Bahnsteig 13“, das 1994 erschien, sie den geheimen Bahnsteig im Londoner Bahnhof Kings Cross erfand, den Joanne K. Rowling in ihren Harry-Potter-Romanen aufgriff.



Klappentext von „Maia oder Als Miss Minton ihr Korsett in den Amazonas warf“:
England 1910: Die elternlose Maia erfährt, dass sie zu ihren einzigen Verwandten nach Brasilien geschickt wird. Gemeinsam mit der Gouvernante Miss Minton tritt Maia die Reise über den Ozean an. Sie ist voller Vorfreude auf das unbekannte Land und ihre gleichaltrigen Zwillingscousinen. Doch das Mädchen wird bitter enttäuscht: Die Familie ist grässlich und nimmt Maia nur wegen ihres Vermögens auf. Doch dank Miss Minton und dem Waisenjungen Finn beginnt für Maia ein Leben voller Abenteuer und dramatischer Verwicklungen an den Ufern des Amazonas ….




Hauptfiguren sind die etwa zehnjährige Maia und ihre Gouvernante Miss Minton.
Maia ist eine Waise. Glücklicherweise hatten die verstorbenen Eltern einiges an Vermögen, sodass Maia eine Mädchenschule besuchen kann. Sie ist ein intelligentes Mädchen mit unstillbarem Wissensdrang. Vor allem ist sie neugierig auf alles neue.
Miss Minton, von Maias Vormund als Gouvernante bestellt, wirkt zunächst hölzern und ihr Äußeres ist eher steif. Aber schnell erkennt der Leser, dass sie das Herz am rechten Fleck hat und ihrem Zögling recht ähnlich ist. Vor allem ist sie Maia wirklich zugetan.



Zum Buch:
Schon vor der Abreise informiert sich Maia in der Schulbibliothek über das Amazonasgebiet.
Und findet in den Büchern wunderbare Lebensweisheiten. Wie zum Beispiel: „Ob ein Ort Hölle oder Himmel ist, liegt bei einem selbst.“ (S. 14)
Diesen Satz nimmt sie sich zu Herzen und hat fest vor, die Reise ins Unbekannte zu genießen.
Maia hatte gehofft, in Brasilien eine Familie zu finden, aber schnell erkennt sie (und vor allem Miss Minton), dass es nur um Maias Vermögen geht.
Die Zwillinge benehmen sich ihr gegenüber unmöglich, sind herablassend, obwohl sie keinen Grund dafür haben.


Textauszug:
Die blonden Locken, die hübschen Kleider mit den rosa und blauen Schleifen, das alles entsprach so genau dem Bild, das sie sich vor ihrer Ankunft von den Zwillingen gemacht hatte!
Aber die Mädchen liebten ein seltsames Lebens in dem dunklen, stickigen Haus. Wie diese bleichen Insektenlarven, die nur existieren, wenn sie von anderen gepflegt und gefüttert werden, befahlen die Zwillinge den Dienstboten ihr Haar zu kämmen, ihre Taschentücher aufzuheben und ihre Haarschleifen zu bügeln. Nirgendwohin gingen sie allein, sie folgten einander sogar ins Bad, und wenn sie den Kopf schüttelten oder nickten, so erfolgten diese Bewegungen absolut gleichzeitig, als wären sie Marionetten, die am selben Faden hingen. Trotzdem hatte man nicht den Eindruck, dass sie sich besonders mochten oder irgendjemanden oder irgendetwas sonst. (S. 77)

Auch, wenn die Geschichte 1910 spielt, trifft vieles auf die heutige Zeit zu.
Zum Beispiel weigert sich Maias Verwandtschaft, einheimische Gerichte und Lebensmittel zu probieren. Sie importieren alles aus England. Man kann sich denken, dass die Ernährung dann erstens relativ einseitig und zweitens wenig gesund war.
Wie oft trifft man im Ausland Touristen, die sich beschweren, weil sie im Urlaubsland kein deutsches Schnitzel, Schweinebraten etc bekommen.


Textauszug:
„Wir lassen sie uns extra aus England kommen“, sagte Mrs Carter mit einem Blick auf die Plätzchen und Maia konnte ihre Verwunderung über einen derartige Aufwand nicht verhehlen. Sie hatte noch nie etwas so Fades gegessen.
„Du wirst keine einheimischen Lebensmittel auf meinem Tisch finden“, fuhr Mrs Carter fort. „Es gibt Leute, die gehen auf den Markt und kaufen Indianisches Essen, das würde ich niemals gestatten. Nichts ist sauber, alles voller Keime.“
Bei dem Wort „keime“ verzog sich missbilligend ihr Mund.
„Könnte man die Sachen denn nicht waschen?“, fragte Maia und dachte an das köstliche Obst und Gemüse, das sie auf dem Markt gesehen hatte, aber Mrs Carter meinte, Waschen reiche nicht aus.
„Wir desinfizieren immer alles, aber es nützt nichts. Die Indianer sind schmutzig. Und wenn man hier draußen leben will, so muss man sich den Dschungel vom Leibe halten!“


Und obwohl sie sich vor Ort davon überzeugen könnten, dass viele der Vorurteile, die die Engländer vom Urwald und dessen Bewohnern haben, vor allem eins sind, nämlich Vorurteile, weigern sie sich. Sie kapseln sich ab, bleiben unter sich und Kontakt zu den Einheimischen gibt es nur, wenn es sich nicht vermeiden lässt.

Also alles wie heute.

Diese Parallelen sind es, die mir an dem Buch besonders gefallen. Sie verdeutlichen, dass sich das Verhalten der Menschen nicht ändert. Die Umstände ändern sich, aber gewisse Verhaltensmuster bleiben gleich. Egal zu welcher Zeit man lebt.

Außerdem gefällt mir Miss Mintons Liebe zu Büchern und dass sie Maia Zugang zu ihren Büchern gestattet. Das vorgestellte Buch ist in meinen Augen gleichzeitig eine Hommage ans Leben und ans Lesen.


Ich nominiere @Josy Burns .












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#2

RE: Buchvorstellung Eva Ibbotson; "Maia oder als Miss Minton ihr Korsett in den Amazonas warf"

in Bücherregal 28.07.2020 10:32
von Carlotta Lila • Federlibelle | 319 Beiträge | 1391 Punkte

Liebe @Doro, ich glaube, ich werde mir das Buch gleich besorgen! Ganz das, was ich im Sommer lesen mag. Und du hast völlig recht: Auch wenn wir heute in einer anderen Zeit leben, gibt es noch den gleichen, überheblichen oder merkwürdig von der Welt abgekapselten Menschentyp-nicht offen, langweilig und schädlich für andere!

Was ich bei dir, muss ich echt mal sagen, super finde: Du hast die Buchvorstellung super strukturiert, man weiß immer gleich, wo man ist: Fettgedruckte Überschrift und vor allem verwendest du immer eine angenehme Schriftgröße. Ich habe - vor allem bei längeren Texten im Forum immer ein bisschen ein Problem mit dem Lesen des Allzukleingedruckten. Sicher - ich kanns mir auch größer kopieren, aber es ist super, wenn du das so machst!
Herzliche Grüße
Carlotta Lila


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