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#1

Buchvorstellung: Claudia Ingenillen "Lisa, ich bin einfach"

in Bücherregal 13.07.2020 13:59
von Graugnom • Federlibelle | 94 Beiträge | 572 Punkte

Claudia Ingenillen: „Lisa, ich bin einfach“
- Non cogito sed sum -


Im übertragenen Sinn habe ich die ewige Jugend abonniert, denn ich werde für immer auf dem Entwicklungsstand eines Babys bleiben. Im großen Meer des Lebens bin ich ein sehr kleiner Fisch. Tag für Tag werde ich im Schwarm mitgezogen, getragen oder geschoben, dabei und mittendrin war und bin ich immer, doch nie wird je ein gesprochener Wunsch über meine Lippen kommen.“

Das sind einige der ersten Sätze dieses Buches, die von der Autorin aus der Sicht ihrer schwerstbehinderten Tochter gesagt werden. Das Buch erzählt die Geschichte von Lisa, die 2020 ihren 30. Geburtstag feiert und eine erwachsene Frau sein sollte, die mitten im Leben steht. Doch das Schicksal entschied anders.
Multiresistente Krankenhauskeime zerstörten kurz nach der Geburt ihr Gehirn. Blind und geistig ewig auf dem Stand eines acht Wochen alten Babys lebt Lisa in ihrer eigenen kleinen Welt und darf ein Leben in ihrem Rhythmus im behüteten Zuhause führen. Kindergarten, Schule und Werkstatt für Menschen mit Behinderungen waren Etappen auf ihrem Weg durchs Leben. Epileptische Anfälle gehören zu ihrem Alltag.

Die Autorin schreibt über die Schwierigkeiten, sich in einer Situation zurecht zu finden, in der es von keiner Seite Hilfe gibt. Denn als Lisa geboren wurde, gab es kaum jemanden, der auf ihre Fragen Antworten geben konnte. Nach vielen Kämpfen begehrte sie nicht mehr gegen die hohen Anforderungen auf, die ihr vom Leben gestellt werden, sondern nahm das Leben so an wie es ist.

Mit behutsamen Worten erzählt Claudia Ingenillen über die Höhen und Tiefen, über die Glücksmomente und die Zeiten der Hilflosigkeit und der Verzweiflung im Zusammenleben mit ihrer Tochter. Sie zeigt aber auch, dass das Leben mit einem behinderten Kind lebenswert sein kann, wenn man dem Leben nicht ablehnend gegenüber steht, sondern die frohen Momente intensiv erlebt.

Die Autorin schreibt auch darüber, welche Hindernisse wie Pflegeversichung, Grundsicherung oder gerichtliches Betreuungsverfahren bewältigt werden müssen. Sie möchte mit ihrem Buch anderen Eltern schwerbehinderter Kinder Zuversicht geben und Mut machen.

Claudia Ingenillen hat das Buch aus der Sicht von Lisa geschrieben, weil sie ihr damit eine Stimme geben. Sie möchte ihre Tochter zu Wort kommen lassen, über die sie sagt: „Non cogito sed sum - ich denke nicht, aber ich bin.“


Die nächste Buchvorstellung wird wohl von Ida Sonnenschein geschrieben.


Folgende Mitglieder finden das Top: Sinjane, Carlotta Lila, Doro, writeandride, Sturmruhe, Gini und Josy Burns
Ida Sonnenschein und Sturmruhe haben sich bedankt!
zuletzt bearbeitet 13.07.2020 18:12 | nach oben springen

#2

RE: Buchvorstellung: Claudia Ingenillen "Lisa, ich bin einfach"

in Bücherregal 13.07.2020 16:17
von Gini • Forums-Schmetterling | 185 Beiträge | 393 Punkte

Liebe @Graugnom
Du müsstest Bree mal bitte taggen. Man kann die Buchvorstellung gar nicht lesen.
Die Formatierung hat nicht geklappt.


Gedanken sind nicht stets parat,/ Man schreibt auch, wenn man keine hat.

Wilhelm Busch (1832-1908)
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#3

RE: Buchvorstellung: Claudia Ingenillen "Lisa, ich bin einfach"

in Bücherregal 13.07.2020 16:43
von Graugnom • Federlibelle | 94 Beiträge | 572 Punkte

@Bree
die Formatierung hat nicht geklappt.
In der Vorschau war der Text o.k.
Kannst du es bitte ändern.

viele Grüße


Bree findet das Top
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#4

RE: Buchvorstellung: Claudia Ingenillen "Lisa, ich bin einfach"

in Bücherregal 13.07.2020 20:11
von Carlotta Lila • Federlibelle | 319 Beiträge | 1391 Punkte

Liebe @Graugnom!
jetzt kann man es schon lesen, passt!

Was für ein interessantes Thema! Und was für ein unglaubliches Schicksal, mit dem sich diese Mutter abgefunden und dann sogar angefreundet hat.Eine gute Frage: Wer sind wir, wenn wir nicht denken?Was bedeutet es einfach zu sein?In einer Zeit, die ja auch von Gehirnakrobatik sehr geprägt ist, ein echter Kontrapunkt. Sich zwingen zur Langsamkeit, sich einfühlen in jemanden, der sich mit Sprache nicht gut ausdrücken kann und in einer ganz eigenen Welt lebt.
Auch das man sich oft unverstanden fühlt und in der Umwelt, bzw. im Freundeskreis nicht immer Hilfe oder Verständnis findet, ist nicht leicht!

Was ich persönlich auch erschreckend finde ist, dass man sich im Krankenhaus so gefährliche multiresistente Keime einfangen kann. Das ist doch sehr arg! Ich hab`schon oft gehört, wie gefährlich die sein können.Wann und in welchem Verlag ist denn das Buch eigentlich erschienen?

Vielen Dank für dein wunderbares Thema

LGCarlotta Lila


You see ya can`t please everyone
So ya got to please yourself (Ricky Nelson)
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#5

RE: Buchvorstellung: Claudia Ingenillen "Lisa, ich bin einfach"

in Bücherregal 14.07.2020 08:00
von Graugnom • Federlibelle | 94 Beiträge | 572 Punkte

liebe @Calotta Lila

Die Autorin hat es im Selfpublishing bei BoD veröffentlicht.
Ich finde es faszinierend, dass sie nicht nur über das Leben mit ihrer Tochter berichtet, sondern
es mit viel Einfühlsamkeit aus der Sicht von Lisa erzählt.
Es ist ein wärmendes Buch, in dem immer wieder die große Zuneigung der Autorin zu ihrer Tochter zu spüren ist, ohne dass ausführlich
darüber geredet wird.
Es ist voller Gefühl, aber ohne sentimental oder gefühlsselig zu sein.


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#6

RE: Buchvorstellung: Claudia Ingenillen "Lisa, ich bin einfach"

in Bücherregal 14.07.2020 08:11
von Ida Sonnenschein • Federlibelle | 91 Beiträge | 506 Punkte

Liebe @Graugnom
vielen Dank für diese Empfehlung.
Ich kann mir vorstellen, das über ein solches Thema zu schreiben, sein Innerstes offen zu legen, enorm schwer sein muss. Ich finde es bewundernswert, wenn jemand soetwas kann.

Deine Buchvorstellung erinnert mich an ein Buch, dass ich meiner Jugend verschlungen habe und bei dem ich beim Lesen so manche Träne vergossen habe.
"Die Last, die du nicht trägst" von Roswitha Geppert
Ich kann mich nicht mehr genau an den Inhalt erinnern, nur an das Gefühl, was dieses Buch in mir ausgelöst hat und das bringt mich zu einen Satz von Ronny
"Leser erinnern sich nicht an Geschichten, sondern an Gefühle"


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#7

RE: Buchvorstellung: Claudia Ingenillen "Lisa, ich bin einfach"

in Bücherregal 14.07.2020 08:23
von Graugnom • Federlibelle | 94 Beiträge | 572 Punkte

liebe @Ida Sonnenschein
Ich finde es sehr mutig von der Autorin, dass sie bis tief in ihr Innerstes eingetaucht ist, um diese Erinnerungen zu schreiben.
Sie sagte selber, dass immer wieder längere Pausen zwischen den einzelnen Schreibphasen gelegen haben,
weil oft Wellen der Verzweiflung sie wieder überrollt haben, wenn sie intensiv in die verschiedenen
Lebenszeiten eingetaucht ist. Trotzdem hat sie weiter gemacht und empfindet es heute als Befreiuung von Lasten,
die sie unbewältigt und unbewusst über viele Jahre hindurch mit sich geschleppt hat.


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#8

RE: Buchvorstellung: Claudia Ingenillen "Lisa, ich bin einfach"

in Bücherregal 14.07.2020 12:32
von Gini • Forums-Schmetterling | 185 Beiträge | 393 Punkte

@Graugnom dein Buchvorschlag ist bestimmt sehr emotional.
Ich glaube aber, so etwas alles aufzuschreiben, ist auch eine Verarbeitung
für die Mutter. Was muss, und will sie ja auch, alles leisten um es schön zu machen
für ihre Tochter. Bestimmt ist es dann für sie auch ein schrecklicher Gedanke,
wenn sie mal irgendwann nicht mehr ist. Wer kümmert sich dann?
Schreckliche Vorstellung, dass so etwas in einem Krankenhaus passieren kann.
Danke für die Buchvorstellung.


Gedanken sind nicht stets parat,/ Man schreibt auch, wenn man keine hat.

Wilhelm Busch (1832-1908)
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